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Mein Weg zur Fotografie | Teil 1

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Was passiert mit einem, wenn man eigentlich nicht das macht, was man eigentlich machen möchte?

Oft erreicht mich die Frage „Diana, wie bist du überhaupt zur Fotografie gekommen?“. Eine sehr spannende Frage und vor allem ein schöner Anlass, mal die Vergangenheit ein wenig Revue passieren zu lassen. Wie oft passiert es, dass wir vergessen, was wir schon alles geschafft haben? Darum gibt es heute eine kleine Zeitreise. Ein Blick zurück, wie das eigentlich mit der Fotografie kam.

Irgendwie hat mich die Fotografie schon immer begleitet.

Es war 1999, als ich zu meinem 8. Geburtstag meine erste Kamera bekam. In meinem Fotoalbum mit meinen eigenen Fotos ist das erste Bild ein Osterfoto aus genau diesem Jahr. Seitdem war die Kamera immer mein Begleiter. Sei es auf Klassenfahrten, auf Sommerausflügen oder in den Urlauben mit meiner damaligen besten Freundin in der Grundschule. Die Kamera war immer dabei. Kleine Maikäfer fanden den Weg vor meine Kamera, aber auch meine Geschwister wurden beim Schaukeln fotografiert, mein Vater beim Grillen, meine Mutter in der Hollywood-Schaukel – es wurde alles mit der Kamera festgehalten.

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Meine erste Klassenfahrt – Foto aus 1999

Tatsächlich ging es mit der Fotografie so weit, dass ich mir abends im Bett beim Einschlafen Gedanken über folgendes Szenario gemacht habe: Was passiert eigentlich, wenn unser Haus brennt? Was passiert mit den Fotos, was passiert mit all den Fotoalben? Müssten wir nicht vor dem Regal mit all den Alben eine große Tasche deponieren, damit, wenn es brennt, wir schnell alles dort hinein packen und retten können? Woher diese Gedanken kamen? Vermutlich, weil Fotos für mich einen enorm hohen Stellenwert haben – damals wie heute. Wenn ich zurückdenke, war es immer etwas Besonderes, wenn wir die Fotoalben zuhause aufgeschlagen haben. Da wurde beispielsweise nach dem Geburtstagskuchen am Küchentisch gelacht, während wir in den Fotos stöberten. So viele Emotionen kamen hoch und es sind uns viele kleine Geschichten eingefallen. Vielleicht war es genau das, was mich geprägt hat. Anders könnte ich es mir nicht erklären, woher diese Angst des Verlusts der Bilder und diese Wichtigkeit der Fotos kam. Das war etwas, worüber ich mir sehr lange sehr viele Gedanken gemacht habe: Wie könnte ich die Fotos im Fall der Fälle retten. Und das schon in der Grundschule.

Der erste direkte Hundekontakt.

Zwischen all dem Fotografieren, in Fotos stöbern und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, zog 2002 ein Hund bei meiner Schwester ein: Mischlingshündin Blace – das war der erste direkte Hundekontakt.

Sie war unfassbar lieb und hat mir schon damals gezeigt, wie wundervoll Hunde sein können. Unterbewusst hat Blace vermutlich einen kleinen Teil zu meiner heutigen Leidenschaft für die Hunde dieser Welt beigetragen. Natürlich erinnere ich mich auch an das eine oder andere Loch in meinen Shirts und an diverse Kratzer auf der Haut, doch sie war ein wundervoller Hund. Leider musste sie am 25.02.2018 gehen und hat ein großes Loch in mir hinterlassen. Nur drei Wochen vorher zog unsere Leia ein.

Blace Mischlingshund Hund Hundsenior Hundefotograf

Blace – Foto aus 2013

Der erste direkte Hundekontakt.

Zwischen all dem Fotografieren, in Fotos stöbern und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, zog 2002 ein Hund bei meiner Schwester ein: Mischlingshündin Blace – das war der erste direkte Hundekontakt.

Sie war unfassbar lieb und hat mir schon damals gezeigt, wie wundervoll Hunde sein können. Unterbewusst hat Blace vermutlich einen kleinen Teil zu meiner heutigen Leidenschaft für die Hunde dieser Welt beigetragen. Natürlich erinnere ich mich auch an das eine oder andere Loch in meinen Shirts und an diverse Kratzer auf der Haut, doch sie war ein wundervoller Hund. Leider musste sie am 25.02.2018 gehen und hat ein großes Loch in mir hinterlassen. Nur drei Wochen vorher zog unsere Leia ein.

Inzwischen besuchte ich die weiterführende Schule und natürlich beginnt man hier, konkreter darüber nachzudenken, was denn nach der Schule kommt. Die Fotografie hat mich auch hier weiterhin begleitet – trotzdem drehte sich das Schulpraktikum nicht um die Fotografie, sondern um die Architektur. Schließlich ist das etwas Vernünftiges. Etwas, bei dem man auch richtiges Geld verdient. Wie sich später herausstellte, kamen diese Worte aber nicht von mir. Zugegeben, ich kann nicht leugnen, dass es mich mit Stolz erfüllt hat, als ich meine ersten finalen Zeichnungen im Praktikum sah – aber ob es das Richtige für mich wäre?

Getragen von dem Gedanken, etwas Vernünftiges im Berufsleben zu wählen und einer leichten Unsicherheit in der Berufswahl ging es 2007 nach der Realschule erst einmal auf das Gymnasium. Hier war die Kamera weiterhin präsent. Doch inzwischen durfte ich eine Digital Kamera mein Eigen nennen. Eine kleine Kompakte von Olympus, die ich mir von meinem ersten Ersparten Dank eines Ferienjobs leisten konnte. Diese hat mich während des Gymnasiums bei Treffen mit der Clique begleitet, aber auch während einer Projektwoche zur Fotografie, an der ich an der Schule teilnehmen durfte. Dort entstanden die ersten Berührungspunkte mit Bildkompositionen und wie sie ein Bild spannender wirken lassen können. Wir haben über den Goldenen Schnitt, über Farbkontraste, Perspektiven und Linienführungen gesprochen. Um das Gelernte auszuprobieren und umzusetzen, durften wir in kleinen Gruppen losziehen und fotografieren. Im Anschluss wurden einige der Bilder besprochen, Wirkungen verglichen und Verbesserungen vorgeschlagen.

Projektwoche “Fotografie” – Fotos aus 2007

Während der Teilnahme an der Foto-AG keimte die Idee des Fotografen Daseins auf und ich dachte bei mir: „Mensch, das ist doch was – das wäre doch das Richtige für dich. Das macht dir so viel Spaß. Du hast so viel Freude dabei…“ Dass die Fotografie mich schon so viele Jahre über begleitet hat, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, aber mit der AG wurde das Interesse richtig geweckt und wuchs stetig weiter.

Nach der Schule stand ich also da und stellte mir die Frage, ob ich nun wirklich etwas mit der Fotografie beginne… Aber wer kennt es nicht? Du erzählst zu Hause von deinen Ideen und dann kommt der Papa und sagt „Mensch Kind, lern doch was Vernünftiges, was mit Hand und Fuß, was, wo du Geld verdienst“. Schnell denkst du dir, dass er vermutlich Recht hat.

Dennoch habe ich mich bei einem klassischen Fotostudio beworben. Allerdings war die Übergabe der Bewerbungsunterlagen äußerst skurril. Da stand ich in dieser Passbildstube und der Fotograf fing an zu erzählen, dass man für die Fotografie das Auge haben muss – das wäre essenziell. Dabei formte er mit Zeigefinger und Daumen immer einen Kreis und hielt ihn sich an die Stirn. Diese Geschichte werde ich tatsächlich mein Leben lang nicht vergessen. Es war schon etwas seltsam, aber inzwischen muss ich zugeben, dass an diesem Auge wohl doch etwas dran ist.

Nach dieser Begegnung „der besonderen Art“ und den Aussagen meines Vaters wurde dann aus dieser Ausbildung nichts und stattdessen wurde ein Praktikum bei einem Uhrmacher gemacht. Dieses Arbeiten mit kleinen Teilen ist etwas, mit dem ich wirklich sehr gut zurechtkomme. Doch nach bereits einer Woche habe ich das Praktikum beendet, denn für die Zukunft konnte ich mir diese Arbeit nicht vorstellen. Also ging die Suche weiter – ständig begleitet von dem Satz „Lerne etwas, wo du Geld verdienst“. Die nächste Idee: Zahntechniker. Wieder etwas im Bereich Feinarbeiten, „aber das liegt dir ja“, dachte ich und bewarb mich. Zeitgleich, weil mein Vater gelernter technischer Zeichner ist (heute besser bekannt als Systemplaner), habe ich mich auch in diesem Bereich beworben und wurde in beiden Berufsfeldern zu einem Gespräch eingeladen. Tatsächlich gab es auch für beide Stellen eine Zusage. Beide Chefs schienen begeistert von mir, zumal ich während des Bewerbungsgesprächs beim Zahntechniker direkt auch ein wenig Probe arbeiten durfte. Beide Chefs waren richtig nett und sehr locker – eigentlich super Voraussetzungen für den Start ins Berufsleben. Letzendlich habe ich mich dann dazu entschieden, 2011 die Ausbildung zur Systemplanerin zu beginnen. So weit, so gut. Dachte ich jedenfalls.

Sowohl auf der Arbeit als auch in der Berufsschule waren alle sehr nett und ich durfte im Betrieb schon vieles selbstständig erledigen und Pläne zeichnen. Auch in der Schule war alles wunderbar, mir ging alles locker von der Hand, die Noten waren top… Nur das Ausbildungsgehalt hätte gerne höher sein dürfen. Aber das kennt man ja.

Langsam näherte sich dann das Ende des ersten Jahres. Dabei erinnere ich mich an einen Tag im Sommer 2012 ganz besonders. Es war ein Tag, an dem auf der Arbeit alte Ordner aussortiert werden sollten. Draußen stand ein großer Container und es hieß: „Hier, das kann alles weg – außer diese eine Reihe. Die brauchen wir noch, die bitte stehen lassen.“ Ich war so im Flow, schnappte mir einen Arm voll Ordner nach dem anderen, schmiss die Ordner in den Container…und schnappte mir die nächsten aus der Reihe, die bleiben sollte. Nachdem die Ordner im Container gelandet sind, bin ich auf dem Weg, um den nächsten Schwung zu holen und eine Kollegin fragte, ob ich gerade die Ordner aus der einen Reihe weggeworfen habe. Ich bekam das P in den Augen. Panik hoch 10. Ich stand einfach da, vollkommen fassungslos und brach auf einmal in Tränen aus. Irgendetwas in meinem Kopf wurde just in diesem Moment getriggert und Erinnerungen aus der Kindheit kamen hoch: wenn du etwas falsch machst, ist das gar nicht gut, das gibt Stress und du bekommst großen Ärger – alles Dinge, die mich geprägt haben. Und genau das ist in diesem Moment passiert: ich habe etwas falsch gemacht. Ich habe die falschen Ordner weggeworfen und rechnete mit großem Ärger. Was daraufhin aber folgte, war kein Ärger, sondern ein absoluter Zusammenbruch meinerseits. Dieser Zusammenbruch ging so weit, dass der Krankenwagen kam – wie ich später erfuhr, durchlebte ich eine klassische Panikattacke.

Falls du dich jetzt fragst, was es mit mir macht, dass alles hier zu erzählen: Tatsächlich kann ich davon ohne Weiteres berichten – ich persönliche finde es wirklich wichtig, darüber zu reden, wenn es möglich ist. Denn das hilft anderen Menschen dabei zu erkennen, dass sie mit solchen Momenten und Prägungen nicht allein sind. Doch natürlich ist da jeder anders und man muss wissen, was sich für einen selbst gut und richtig anfühlt.

Nach dieser Panikattacke wurde ich erst einmal arbeitsunfähig gemeldet.

Wie sich herausstellte, war aber schon vor diesem Tag alles nicht mehr ganz so prickelnd: nach und nach stand ich mehrmals morgens heulend vor der Haustür und wollte einfach nicht zur Arbeit. Sonntage waren dabei immer die schlimmsten Tage, weil ich wusste, dass es am nächsten Tag wieder in eine neue Woche ging. Hinzu kamen Gedanken und Wünsche, dass ich doch irgendwie den Weg zur Arbeit vermeiden könnte. „Wie schön es doch wäre, wenn ich mir jetzt ein Bein brechen würde…“ Hier hätten schon die Alarmglocken läuten müssen, doch ich selbst war mir all dieser Situationen nicht wirklich bewusst oder habe es schlichtweg verdrängt.

Eine absolute Beziehungsprobe.

Gerade das ist auch – so finde ich – ein Thema, welches nicht totgeschwiegen werden darf. Denn vermutlich geht es vielen so und ich möchte mit meiner persönlichen Geschichte einfach Mut machen. Mut machen, um sich Hilfe zu holen und sich der eigenen Situation bewusst zu werden. An dieser Stelle muss ich auch sagen, dass ich meinem heutigen Mann unfassbar dankbar bin, dass er mir zu dieser Zeit zur Seite stand und bei mir geblieben ist. Zu dem Zeitpunkt waren Hauke und ich gerade einmal etwa 1,5 Jahre zusammen und so eine Situation stellt eine Beziehung ziemlich auf die Probe.

Diana Mehner Pärchenfoto

Foto aus 2012 | © Peter Keller

Als ich nach dem Ende meiner Arbeitsunfähigkeit und nach der Geschichte mit den Ordnern wieder zur Arbeit musste, fühlte ich mich, als wäre ich in einer Blase. Während ich auf der Arbeit Zeichnungen geschnitten und gefaltet habe, liefen lautlos die Tränen. Sie nahmen kein Ende. Irgendetwas passte nicht und hier habe ich das erste Mal bewusst gemerkt, dass da irgendetwas nicht stimmt. Darum ging es nun endlich zum Arzt und ich erzählte – oder vielmehr versuchte – unter Tränen, dass ich Hilfe brauche. In diesem Moment habe ich das erste Mal in dieser besonderen Situation aktiv um Hilfe gebeten. Natürlich hat mein Mann schon bei den sonntäglichen und morgendlichen Tränenausbrüchen gemerkt, dass da etwas im Argen ist und meinte, dass ich doch mal zum Arzt gehen solle. Hinzu kamen Kopfschmerzen, über Kopfschmerzen, wegen denen ich zuhause bleiben “durfte”. Wie sich später herausgestellt hat, waren diese Schmerzen psychosomatisch. Ein Hilfeschrei des Körpers. Doch wie sich gezeigt hat, ist man trotz all dieser Anzeichen sich dessen oft nicht bewusst, was da mit einem los ist. Das ist es auch, was es so schwierig macht: man sucht Ausreden, redet sich ein, dass alles okay sei und es nur Überreaktionen ohne tiefere Bedeutung sind. Wenn man dann aber selbst bemerkt, dass da etwas nicht stimmt, ist es auch wichtig, um Hilfe zu bitten. Dennoch ist es auch wichtig, auf sein Umfeld zu achten und den Menschen um einem herum zu vertrauen.

Der Arzt wusste direkt Bescheid, ohne dass ich mehr sagen musste. So wurde ich erneut arbeitsunfähig gemeldet und ich habe einen Termin bei einem Therapeuten gemacht. Aber auch unter diesen Umständen hielt ich es kaum noch aus und wurde auf meine Bitte hin, jetzt Hilfe zu erhalten, für drei Monate stationär in einer Klinik aufgenommen. Im Anschluss ging es für weitere drei Monate in eine Tagesklinik zur Gruppentherapie. Hier wurde einiges besprochen und aufgearbeitet. …und ja, ich bin psychisch krank. Das ist eine Tatsache. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Und: es geht ganz vielen da draußen so.

An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass es für mich wirklich absolut in Ordnung ist, über diese Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen. In meinen Augen ist das einfach wichtig und ich spreche da ganz frei. Vielleicht tut es mir auch gut, diese Gedanken raus zu lassen und vielleicht helfen sie auch dir.

Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten, aber viele wollen das nicht wahrhaben. So habe ich beispielsweise vieles „weggelacht“, also überspielt, um zu verdrängen. Ich war nach außen nie der wirklich depressive Mensch – ich habe trotzdem immer viel gelacht. Wie sich aber später in der Therapie, die sich über drei Jahre erstreckte, zeigte, war das tatsächlich oft auch ein Schutzmechanismus, um andere Gefühle zu unterdrücken. Für außenstehende Menschen ist es nicht richtig greifbar, dass Menschen, die viel lachen, depressiv bzw. psychisch krank sein können. Nach außen ist alles super, aber hinter der Fassade steckt so viel an Angst, Selbstzweifeln und Dunkelheit. Dahinter steckt eine Person, die über Jahre klein gehalten und sich fügen musste. So traurig das alles ist, so spannend ist es zu erfahren, wie tiefgreifend die Psyche agiert und was sie auslösen kann. Aber eben nicht, wenn man selbst drinsteckt.

Wie es weitergeht, erfährst du hier im zweiten Teil. Lass doch gerne auch unten in den Kommentaren deine Gedanken da.

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Diana Jill Mehner Leia Hundefotografin Brandenburg